Trinitatis – Aaronitischer Segen

Bildschirmfoto 2018-05-26 um 20.52.54.png

Und aus des schweren Vorhangs dunklen Falten
drängt nun der Heidenkrieger zum Altar.
Den Schädel will dem Priester er zerspalten

am letzten Tag des Streites wunderbar.
Da sieht ein Weib noch bei den Stufen knie´n
des Christenheiligtums der Erzbarbar.

Sie klagt ihr Leid, der Gatte musste flieh´n –
den Sohn ein fremdes Heer warb zum Soldaten.
Als Sklavin sah sie ihre Tochter zieh´n,

ward selber Opfer allerschlimmster Taten.
Am Altar bittet nun den Alten sie –
wenn nichts mehr hilft, die Kirche kann noch raten.

Der Weise breitet aus die Alchemie
der frohen Worte, lässt das Heil sich regen.
Nicht dass er rief, nicht dass er schrie –

doch wirbt sein sanftes Reden milden Segen.
Da strebt der Heid herbei, ist nicht mehr fern –
wirft sich mit Macht, dem was er hört, entgegen.

Wie schmetterte sein blankes Beil er gern
dem alten Christen an des Hauptes Stern.

Der aber hob schon an mit gutem Sagen,
und Wort um Wort ertönt in Vollmacht. Schwer
zu Boden sinkt der Feind, als wär geschlagen

von grellem Blitz und Donnerwetter er.
„Der HERR soll segnen dich!“ versteht er Worte.
„Es segne und behüte dich der HERR“,

so tönt der Spruch dort an des Heiles Pforte:
„Ob deiner schweb´ SEIN Antlitz leuchtend rein!“
Dann trifft das Herz als Zentrum aller Orte

ein „Wolle GOTT dir immer gnädig sein,
ER hebe über dich SEIN Angesichte!“
Der Böse ahnt das „Ja“, doch will noch „Nein!“

Bis ihn der Ruf SCHALOM schleift zum Gerichte:
„Beschenken möge ER mit Frieden dich!“
Besiegt erliegt der Fürst der argen Wichte,

der, um zu töten bei dem Altar schlich,
die Waffen fallen ließ aus beiden Händen,
dem Kriege abschwor und ließ taufen sich.

Heut sieht man ihn mit andern Priestern spenden
den Segen Aarons Sachsen, Friesen, Wenden.

Advertisements

Pfingstwunder und Petrusrede

Bildschirmfoto 2018-05-17 um 08.46.30

Nun, da das Pentekostenfest gekommen,
erwartet seine Jüngerschaft ein Wort.
Man fühlt sich seit der Meister ging beklommen –

denn Christus fuhr gen Himmel und ist fort.
Doch plötzlich schwingt heran ein sanftes Sausen,
Wort findet Sinn und Melodie Akkord.

Der Gottesgeist mit heiligem Gebrausen
beschenkt und füllt mit Kling und Klang das Haus.
Grad noch gesessen in verschlossner Klausen,

treibt endlich sie die Kraft zum Tor hinaus.
Es fallen Zungen, lodernd als von Feuer
und glitzernd wie das Rad des bunten Pfaus,

auf ihre Häupter und ganz ungeheuer
fing jeder so Bedachte eifrig an,
davon zu reden, was ihm wert und teuer –

in vielen Sprachen, wie er´s eben kann.
Jerusalem, die alte Königsstätte,
wo stets in tausend Völkern lebte man –

fragt sich, was das wohl zu bedeuten hätte.
Wie geht sie aus, der Wunder Zungenwette?

Ein jeglicher hört seine Sprache klingen.
Sie staunen alle, Fragen werden laut:
„Vielfältig – trotzdem sinnvoll geht ihr Singen,

und stammen alle aus derselben Haut!
Doch jeder von uns kann sein Wort vernehmen –
als Parther, Elamiter, Mediaut?

Das Volk Mesopatamiens und vom Jemen,
aus Pontus, Kappadozien, Asia,
Pamphylien bis zu Libyens Extremen …

aus Rom, Kyrene und von Phrygia?
Der Juden Menge, Freunde samt Genossen,
die Kreter, Pleter und Arabia:

Wir hören sie mit unsrer Zunge Glossen
die großen Taten Gottes loben hier.
Ist wohl zu viel an Wein heut schon geflossen?“

So lacht sich’s durch die Gassen Tür an Tür.
Als Petrus mit den Elfen hört ihr Fragen,
erhebt die Stimme er: „Schaut her zu mir!

Erfüllt ist vieler alter Schriften Sagen,
Ich will euch hiermit Rat zu geben wagen:

Jerusalemer Leute, hört mein Reden –
lasst diese Worte dringen in das Ohr.
Dass jene trunken sind, sollt ihr nicht wähnen,

zumal der Morgen jetzt erst trat hervor.
Jedoch geschehen ist, was die Propheten
schon längst geweissagt haben uns im Chor:

‚So soll es sein am Ende des Planeten,
spricht Gott, da gieße ich von meinem Geist
auf eure Kinder aus, dass sie trompeten

und Neues künden, Träume sind´s zumeist.
Viel Wunder will ich schaffen, Zeichen geben –
und deuten lassen, was es letztlich heißt.‘

Aus Nazareth kam Jesus zu euch eben –
ein Mann, von Gott erwählt in Wort und Tat.
Ihr aber wolltet ihm sein Schicksal weben,

bedachtet böse Tat von früh bis spat.
Durch eure Hand gemordet und begraben,
doch blieb die Seele Jesu nicht im Grab.

Gott wollte auferweckt den Jüngling haben,
wir dienen ihm als seines Heils Buchstaben.

Zur Rechten Gottes ist erhöht er worden –
als Tröster kam uns zu der Heilig Geist.
Aus Schöpfers und des Sohnes einig Orden,

was euch die Schrift seit Alters her beweist.
Dem Filius der Vater legt zu Füßen
die Welt als Schemel, wie ein Psalm verheißt:

‚Wen ihr gekreuzigt habt, der ist bewiesen
als HERR in Ewigkeit und Gottes Sohn!'“
Sie stehen starr, er scheint sie zu verdrießen,

doch als man Reue fühlt, fragt mancher schon:
„Ihr Männer sagt, was sollen wir beginnen?“
„Nehmt an der Taufe Absolution!“

Dann predigt Petrus lang mit wachen Sinnen,
verheißt Vergebung aller Sündenlast.
Nach vielen Tränen reichlich Wasser rinnen –

und Taufbegehren jedermann erfasst
Beständig blieben sie in einer Lehre
und keiner hat den Nächsten mehr gehasst.

Gemeinschaft, Kelch und Brot in aller Ehre,
Verkauf der Habe und Gebet als Kehre.

Geschichte der Orientalischen Kirchen (Teil 4/4) von Dr. Bodo Seidel

tispoon-2[1]

Die orientalischen Kirchen – der Prozeß des Untergangs
Die Geschichte ist etwa die folgende: 1. Der Druck durch den Islam ist ein Bekehrungsdruck. Darunter haben auch die Kopten gelitten. Zwar haben Kopten und Syrer den arabischen-islamischen Eroberern anfangs gern Tür und Tor geöffnet, weil der Islam tolerant auftrat und sie dem anderen Druck, nämlich dem von Byzanz ausweichen konnten. Im Gegensatz zur byzantinischen Reichskirche, die in bestimmten Zeiten bereit war, ihre dogmatisch-theologischen Überzeugungen auch mit dem Schwert durchzusetzen, vertraten die Moslems in theologischer Hinsicht Anschauungen, die den eigenen Glaubensüberzeugungen nicht ganz unähnlich waren. Der große syrische Theologe des 7. Jahrhunderts Johannes von Damaskus vertrat die Ansicht, daß der Islam eine aus Mißverständnissen resultierende Variante des Christentums sei, also eine (inner-)christliche Irrlehre. – Der Bekehrungsdruck war nicht immer groß, so der Islamwissenschaftler Heinz Halm.  Vor allem, wenn die islamischen Herrscher die Schutzsteuer von den Dhimmis (Christen und Juden) haben wollten. Traten diese über, war es ein Verlustgeschäft für die Machthaber. So gibt es eine wechselhafte Geschichte im Laufe der Zeiten.

2. Der Mongolensturm in der Mitte des 13. Jahrhunderts war verheerend. Bagdad wurde 1259 zerstört und an gleicher Stelle nie wiederaufgebaut. 

3. Kriege, Seuchen und Zerstörung betreffen Christen wie auch Moslems. Darunter leiden alle gleichermaßen. Aber nach dem Untergang gelingt den Moslems ein Wiederaufbau von Ortschaft und Gemeinde besser als den Christen, weil sie vorteilhaft mit den islamischen Machtzentralen vernetzt waren. Oder die Kalifen siedelten einfach Moslems da neu an, wo einmal Christen waren.

 4. Die Kriege Tamerlans (Timur Lenk) um 1400 wüten ebenfalls verheerend unter den Christen Persiens und Zentralasiens. Auch unter den Moslems. Gemessen an der damaligen Weltbevölkerung kosteten sie mehr Opfer als der II. Weltkrieg. Für die sogen. Nestorianer ist die  Kernphase der Niedergangsgeschichte. So sieht man es heute.

5. In der Neuzeit, d.h. vor allem im 20. Jahrhundert, wurden die Christen im Orient nicht selten als Parteigänger und Verfechter des westlichen Imperialismus und Kolonialismus angesehen. Für den Mesopotamischen Raum stand aus der Sicht der Moslems in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die folgende Gefahr ins Haus. Die Christen könnten nach dem Ende der britischen Mandatsherrschaft den 30er Jahren einen säkularen Staat unter christlicher Führung und mit Hilfe der britischen Mandatsmacht aufbauten. Das „warnende Beispiel“ der Entwicklung im osmanischen Raum, als unter Kemal Atatürk eine Kalifat-Herrschaft in einen laizistischen Staat umgewandelt wurde, konnte nicht ignoriert werden und unberücksichtigt bleiben. Und 1933 kam es im Irak zu einem Massaker an Christen. Im türkischen Teil des Osmanischen Reiches gab es 1915 einen Genozid, dem etwa eine Million Armenier und vielleicht eine halbe Million arabischer Christen zum Opfer fielen. Die Türken fürchteten im Krieg eine christliche Umklammerung.

Mitte des 20. Jahrhunderts haben viele arabische Christen sich dem Panarabismus und dem Arabischen Sozialismus verschrieben. Zwischen Ägypten und dem Euphrat wuchs die Hoffnung, in einem übernationalen und säkularen arabischen Staat in diesem Raum würde die besten Bedingungen vorhanden sein, daß es nicht wieder zu schlimmen Verfolgungssituationen von Christen kommen würde. Manche sprachen auch von Garantien für bleibende Toleranz und völlige Gleichberechtigung. Diese Hoffnung trog, der Panarabismus ist passé und der Islamismus entstand.

Das ist die Grobskizze der Untergangsgeschichte. – Am Anfang des 20. Jahrhundert konnte man noch davon sprechen, daß es einen relativ hohen Prozentsatz an Christen in der orientalischen Welt gab. Ganze Ortschaften oder Kleinregionen waren christlich. So in der Türkei. Zur Jahrtausendwende sah es ganz anders aus. Lediglich die koptische Kirche umfaßt vielleicht immer noch rund 8 % der Bevölkerung. Im arabischen Raum sind es heute weniger als 1 %. Was seit dem Aufkommen des IS alles geschah, kann noch nicht endgültig formuliert werden. Die zukünftige Heimat der orientalischen Christen wird vielleicht Amerika und Europa sein. Daß die orientalischen Christen eigentlich fast nie wirklich an der politischen Macht beteiligt waren, hat der Stärke ihrer Kirche wohl keinen Abbruch getan. In Zeiten der Toleranz konnten sie blühen, wachsen und missionieren. In schlimmen Zeiten hatten sie Schlimmes zu erleiden. Wo sie aber mit der Ankopplung an weltliche Herrschaften befaßt waren und in dem Verdacht gerieten, sie seien Trittbrettfahrer der Diktatoren oder westlicher Mächte, hat man es ihnen oft grausam heimgezahlt….

 

Literatur:
Philip Jenkins: Das Goldene Zeitalter des Christentums. 2008 (Herder).
Martin Tamcke: Christen in der islamischen Welt. 2008 (Beck).
Andreas Knapp: Die letzten Christen. Flucht und Vertreibung aus dem Nahen Osten. 2016 (Adeo).


von Dr. Bodo Seidel (Pfarrer in Niedersachswerfen)

Geschichte der Orientalischen Kirchen (Teil 3/4) von Dr. Bodo Seidel

BarHebreaus[1]

Die orientalischen Kirchen  – unter dem Islam

Wir wollen uns hier nicht in Spaltungsgeschichten und dogmatischen Grübeleien verlieren. Wichtiger ist, den ganz besonderen Faden aufzunehmen. Diese syrischen Kirchen, allen voran die sog. „nestorianische“ Kirche, waren – wie schon erwähnt – Wissenschafts- und Kulturtransformatoren. Weithin war es zwar so, daß die Christen unter der islamischen Herrschaft unterdrückt oder benachteiligt waren. Aber nicht immer. Es gab auch deutliche Phasen der Toleranz. So war es unter dem Abbasidenkalifat in den Jahren etwa von 750 bis 1250. In dieser Zeit gab es Phasen besonderer kulturaler Innovation. So durften Juden und Christen hohe Ämter in der Zentrale des Islamischen Kalifenreiches übernehmen. Sie wurden Bibliothekare, Übersetzer, Professoren, Wesire. In dieser Zeit geschah die Transformation des Wissens aus der griechischen Antike, aus Byzanz über den Weg des Syrischen in das Arabische. Über islamische Araber ist Aristoteles zu uns gekommen. Unsere heutige „abendländische“ Bildungswelt ist nicht vorstellbar ohne diese von Juden und vor allem syrischen Christen erbrachte Leistung. 

Der berühmte Patriarch Timotheus (780 – 823) in Seleukia-Ktesiphon, der mit seinem Patriarchensitz in die neue Kapitale Bagdad umzog, war berühmt für seine gelehrten Auseinandersetzungen mit dem Kalifen al-Mahdi. Er hat sie in Briefform abgefaßt. In ihnen geht es um theologische und weltanschauliche Auseinandersetzungen zwischen Christentum und Islam. Diese Briefe waren in den vergangenen Jahrhunderten nur einer geringen Anzahl von Fachgelehrten bekannt und werden derzeit überhaupt erst modern ediert. Aber sie stehen den Höhenflügen der westlichen Theologen des Mittelalter in nichts nach. Überhaupt ist es eine relativ nachhaltige geschichtliche Tradition, daß die syrischen Christen in ihrer Lebenswelt eine hohe Bildung besitzen und oft akademische Berufe innehaben.

Die Frage ist: Warum sind diese Kirchen nahezu untergegangen? Sie ist nicht in einem Satz zu beantworten. Die Gründe dafür sind viele. Einige tragende Balken im schwierigen Geflecht von Gründen und Ursachen sind folgende: 

(von Dr. Bodo Seidel – Pfarrer in Niedersachswerfen)

Geschichte der Orientalischen Kirchen (Teil 2/4) von Dr. Bodo Seidel

220px-Nestorian-Stele-Budge-plate-X[1]

Die orientalischen Kirchen – Was sind Syrer?
Was aber sind die syrischen Christen? Zur Erklärung muß man folgendes berücksichtigen: Diese Bezeichnung hat mit dem modernen Syrien, das nach dem Ersten Weltkrieg gegründet wurde, nicht allzu viel zu tun. Der heutige Staat Syrien umfaßt nur einen Bruchteil des Gebietes der syrischen Kirche von einst. Der Begriff resultiert aus antiken Bezeichnungen. Jesus sprach aramäisch; das Syrische ist eine Variante dieser Sprache. Diese Syrer können mit einem gewissen Recht sagen „Wir sprechen die Sprache Jesu!“. Und diese Sprache wurde für lange Zeit Verkehrssprache zwischen dem Mittelmehr, Indien und China. Es handelt sich um Kirchen, die bestimmte Bekenntnisbildung der altkirchlichen Zeit verweigert bzw. sich mit Byzanz und Rom in Sachen des Glaubensdogmas im Streit befunden haben.
Es wird seltsam anmuten, wenn wir die Streitpunkte hier herbeizitieren. Denn wir heute können nicht mehr so denken und problematisieren, wie es vor rund tausendsechshundert Jahren üblich gewesen ist. Das geht etwa so: In Christus ist eine göttliche und eine menschliche Natur. Aber: Eine Natur in zwei Personen oder eine Person in oder mit zwei Naturen? Für uns heute ist das eine etwas absonderliche Überlegung. Das können wir nicht mehr nachvollziehen. Das war aber die Problematik des berühmten Konzils von Chalzedon im Jahre 451. Für die sogenannten Ostsyrer (oder die auch oft als Nestorianer bezeichneten Christen) kommt noch die Frage nach der Art der Marienverehrung dazu: In Byzanz und im sonstigen Westen d.h. in der römisch-lateinischen Kirche ist Maria die „Gottesgebärerin“. Den Gedanken können die „Nestorianer“ nicht so recht verstehen, denn Maria habe ja eine menschliche Natur zur Welt gebracht…. Das ist für unsere Köpfe etwas verwirrend. Dabei haben wir nur einen Teil der dogmatischen Streitigkeiten erwähnt – und das auch fast noch bis zum Unkorrekten hin vereinfacht.
Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung haben sich folgende orientalischen Kirchen formiert: Die Kopten und Armenier sind monophysitische Nationalkirchen. Auch die Äthiopier. Monophysitisch oder auch miaphysitisch, weil sie von einer Natur in Christus ausgehen, in der Göttliches und Menschliches unvermischt existiert. (Der Westen dagegen sagt: Zwei Naturen in einer Person! Deshalb sind ´wir´ Di-Physiten.). Die Kopten und Armenier also. Nationalkirchen kann man sie nennen, weil Staat oder Region und Volk in der Tendenz etwa deckungsgleich ist mit der Kirche.
Wir müssen weiter differenzieren, denn die Spaltungsgeschichte ist noch weit vielfältiger. Es gibt die vom antiken Antiochien herkommende (westsyrische) orthodoxe Kirche. Sie werden auch Jakobiten genannt, weil sie von Jakob Baradai herkommen, dem großen Organisator der westsyrischen Kirche. (Antiochia ist bedeutsam und hatte eine frühe christliche Geschichte. Paulus ist dort gewesen, siehe Apostelgeschichte 11, 19ff.). Edessa ist der Ort der Gelehrsamkeit. Sozusagen die Kulturhauptstadt der Kirche. Sie, diese westsyrische Kirche, gehört in den Kreis der sogenannten orthodoxen Kirchen. Allerdings schwimmen diese konfessionellen Bezeichnungen etwas.
Und es gibt die oben schon erwähnte ostsyrische „Nestorianische“ Kirche. Jene Kirche, die die Gebiete Mesopotamien, Persien, Mittelasien und China umfaßte. Auch in Indien finden wir in der Nachfolge des Heiligen Apostel Thomas ostsyrische Gemeinden. In der Regel nannte man diese Kirche nicht „orthodox“, weil es in deren Selbstbezeichnung nicht üblich war. Jedoch finden wir heute folgende Einordnung: die sogenannten Nestorianer gehören zur „vorephesinischen Orthodoxie“. Das ist vom Konzil in Ephesus abgeleitet; das war 431 und thematisierte die Dignität Mariens als „Gottesgebärerin“. Das wollten ja die (ich nenne sie immer noch so:) Nestorianer nicht unterschreiben.
In allen diesen Kirchen haben sich aber noch Teile mit Rom vereint – und so gab es zwei- oder dreihundert Jahren Abspaltungen. Die katholischen Ostsyrer werden Chaldäer genannt. Und noch weiter: In der Folge der Massaker an den Syrern nach 1933 im Irak flohen viele syrische Christen ins westlichen Ausland. Dort schlossen sie sich zwar nicht den westlichen Kirchen an, dennoch aber dem westlichen (gregorianischen) Kalender. Was wiederum Anlaß für Spaltungen gewesen ist.

(von Dr. Bodo Seidel – Pfarrer in Niedersachswerfen)

Geschichte der Orientalischen Kirchen (Teil 1/4) von Dr. Bodo Seidel

 

Die orientalischen Kirchen – oder: Der Untergang einer Weltkirche
Derzeit fliehen tausende Menschen nach Europa. Aus dem Orient und aus Schwarzafrika. Wir setzten bislang voraus, daß die Menschen, die aus dem Nahen und Mittleren Osten zu uns kommen, Moslems sind. Das stimmt zu einem hohen Prozentsatz. Aber nicht total. Manche sind Christen. In jüngster Zeit ist mehr und mehr davon die Rede, dass es Christenverfolgungen in den Gebieten, aus denen Menschen fliehen, gibt. Über die Ursachen der Kriege, des Elends und der Unterdrückung können wir uns in diesem Zusammenhang nicht auslassen. Sicher ist, daß die Waffenexporte des Westens eine unrühmliche Rolle dabei spielen. Uns soll hier die Frage interessieren, was denn nun die orientalischen Kirchen seien. Über sie weiß man wenig oder fast nichts. Aber daß wir hier gleich eingangs mit einer These (nicht Hypothese) aufwarten müssen, die so manchem Bewohner des „christlichen Westens“ den Atem verschlägt, ist gewiss.
Die Orientalischen Kirchen waren einmal über rund ein Jahrtausend nicht nur groß, sondern viel größer, reicher an Gemeinden, Bistümern und gelehrten Schriften als Rom und Byzanz zusammen. Zwischen den Jahren 400 und 700 war nicht nur Nordafrika christlich, sondern auch die Gebiete vom Nil bis Indien. Ganz grob kann gelten: Von etwa 650 an machte der Islam den Kirchen im Vorderen Orient Druck und Konkurrenz. Jedoch reichte die christliche Missionstätigkeit in der Zeit von etwa 650 bis 1400 bis nach China. Es gibt eine Stele in Xi´an bei Peking, die aus dem Jahre 781 stammt und über das Christentum in China spricht. Und zwar über das Jahr der Ankunft des Christentums in China: 635! – Die Missionskirche des 5.- 15 Jahrhunderts war die sogenannte Nestorianische Kirche. Ihre größte missionarische Kraft entfaltete diese orientalische Kirche etwa am Anfang der islamischen Herrschaft. Was weithin unbekannt ist, was die Christenheit des Westens auch fast nicht zu glauben vermag, ist die Tatsache, daß es eine Weltkirche gab, die mit Rom nicht viel zu tun hatte – und doch sich eine sehr große Weltkirche nennen konnte. Und daß sie nahezu untergegangen ist!
Kirchen können tatsächlich untergehen. Es ist schmerzlich zu erfahren, daß es geschichtliche Tatsachen gibt, die das belegen. Und es ist eine prekäre Angelegenheit, daß wir das schwer annehmen können – ohne den geheimen Versuch es zu leugnen oder abzumildern. Philip Jenkins, der britisch-amerikanische Historiker, hat vor rund einem Jahrzehnt ein kleines Büchlein zu den untergegangenen orientalischen Kirchen vorgelegt (Das Goldene Zeitalter), in dem er die Kernfragen stellt: Jesus Christus hat uns verheißen, er sei bei uns alle Tage bis an der Welt Ende (Matthäus 28). Und Jenkins meint dazu: Das sei verläßlich, aber besage nichts darüber, wo Christus bei uns sei; daß die Kirche überlebe bis zum Jüngsten Gericht sei wohl wahr, aber unklar bleibe, ob dies an allen Orten der Welt geschehe. Die Apostolische Kirche des Ostens, die Assyrer, die Persische Kirche, die sogenannten Nestorianer (alles verschiedene Bezeichnungen für eine Kirche) – das ist die große Kirche des Ostens, die von Mesopotamien, von Bagdad bis nach Peking reichte. Und sie ist bis auf geringen Restbestände untergegangen.
Bedeutsam ist auch, daß die syrischen Christen und Kirchen diejenigen waren, die als die großen Wissenschaftsvermittler der antiken Bildung an die Islamische Welt und an das Abendland gelten müssen. Daß der Islam uns die antiken Wissenschaften aufbewahrte und vermittelte, kann heute als großes Mißverständnis betrachtet werden. Zu einer bestimmten Zeit allerdings hat er selbst die Kenntnisse der alten Welt rezipiert. Es sind allerdings Christen und Juden gewesen, die als Übersetzer und Bibliothekare, als Ärzte und Gelehrte wirkten – und als die eigentlichen Überlieferer des Wissens gelten.

(von Dr. Bodo Seidel – Pfarrer in Niedersachswerfen)

Rogate 2018 – Johannes 15-16

Bildschirmfoto 2018-05-01 um 12.31.34

Nachdem der Herr zu Ostern auferstanden,
versammelt er die Jünger rings um sich.
Und als sime ihre Ängste überwanden,

geschah das dadurch, weil man sich verglich
– in heilig übertrieben schönen Bildern –
dem Meister selbst und abenteuerlich.

Er deutet an, verschweigt durch vages Schildern –
er warnt und tröstet alle mit Bedacht,
mit großem Ernst und dann auch wieder milder,

ruft er sie an, scherzt, raunt und weint und lacht.
„Einst werden sie“, sagt er „euch hier verjagen,
missbrauchend Gottes Wort und ihre Macht.

Verspotten, knechten, schlagen, töten, plagen –
aus ihrer Schar den Vater niemand nennt.
Sie wissen nichts, von jener Welt zu sagen

und kennen nicht, was uns als Dornbusch brennt.
Wenn das geschieht, erinnert euch der Stunden,
als ich euch lehrte Stern und Fundament .

Die Welt macht Angst. Hat manchen schon geschunden.
Mit Gottes Kraft hab ich es überwunden.

Es kommt die Zeit, da wollt ihr nichts mehr fragen,
erst aber fahre ich zum Vater auf.
Wie einst Elia fuhr im roten Wagen,

bald seht ihr mich nicht mehr auf meinem Lauf.
Noch kurze Zeit, dann will zurück ich kehren
und freue mich wahrhaftig schon darauf.

Bleibt hier zurück, es kann euch nichts versehren,
auch wenn ihr klagt und schreit. Ein jedes Weib
muss Monate in Tapferkeit durchqueren,

bevor das Kindlein drängt aus ihrem Leib.
Ist´s aber einmal dann mit Glück geboren,
war alles Leid vorher zum Zeitvertreib.

Der Fürst der Welt? Hat doch bereits verloren …
ich sandte zu euch tröstend meinen Geist,
den hat der Vater sich für mich erkoren

und nahm nur kurz, was ich euch jetzt verheiß.
Doch kam´s zurück – und niemand muss verzagen.
Ich selber bürge als des Heils Beweis.

Was hätte ferner ich euch noch zu sagen?
Ihr könntet sowieso nicht mehr ertragen …“